Brandanschlag auf PKW der AfD-Politikerin Beatrix von Storch


26.10.15

Brandanschlag auf PKW der AfD-Politikerin Beatrix von Storch

(MEDRUM) Der PKW von Beatrix von Storch war in der Nacht von Sonntag auf Montag Ziel eines Brandanschlages, bei dem das Fahrzeug zu einem großen Teil zerstört wurde. Es solle endlich aufgehört werden, mit der "Hetze gegen die AfD" und ihre Politiker, fordert die Europaabgeordnete der AfD.

Frankfurter Rundschau verurteilte von Storch als "Rassistin im Schalfspelz"

ImageAuf ihrer facebook-Seite berichtet Beatrix von Storch: "Heute Nacht wurde mein Auto abgefackelt. Wer die Hetze gegen die AfD mitgemacht hat und sich jetzt nicht davon scharf distanziert, der ist Mitschuld. Dann macht er sich durch Schweigen mit diesen Verbrechern gemein."

Eine Flut von Kommentaren ergoß sich über diese Mitteilung (mehr als 1.600). Davon ist eine große Zahl hämischer und hasserfüllter Reaktionen, z.B:

Peter Holländer: "Frau von Storch, das waren keine Verbrecher, nur besorgte Bürger und Automobilkritiker."

Martin Krüger: "...und was dein Auto angeht? Bin ich zufrieden wenn dein Auto angeht! Bis der Letzte BMW in Flammen steht..."

Liz Phoenix: "Und es gibt AfD-Wähler, die fackeln Flüchtlingsunterkünfte ab. Wer die Hetze gegen die Flüchtlinge mitmacht und sich jetzt nicht davon scharf distanziert, der ist Mitschuld[iger]. Dann macht er sich durch Schweigen mit diesen Verbrechern gemein."

Ben Holland: "Ich tippe ja auf Selbstmord. Das Auto konnte es einfach nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren, sie weiterhin zu transportieren."

Stephan Löneke: VERPISS DICH AFD! VERPISS DICH FASCHO SAU! VERPISST EUCH IN DIE LÖCHER ZURÜCK AUS DENEN IHR GEKOMMEN SEID!!!!!"

Ein Beispiel aus den wenigen Kommentaren, die sich gegen Gewalt aussprechen:

Jörg Wichmann: "Ich bin mal gespannt, ob Herr Maas all diese Kommentare hier verfolgt, einige davon erfüllen eindeutig Straftatsbestände, Volksverhetzung, Aufhetzung zur Gewalt und Billigung dieser... Frau Merkel, vielen Dank, dass Sie in Deutschland die Anarchie herbeiführen."

Beatrix von Storch war erst vor wenigen Tagen in einem  Artikel der Frankfurter Rundschau als "Rassistin im Schafspelz" bezeichnet worden. Die Zeitung nahm eine Vortragsveranstaltung der Abgeordneten zum Anlass, die  Positionen und Informationen von Beatrix von Storch über die  Asylproblematik zu verurteilen.

Über den Brandanschlag berichtet auch die Tagesschau der ARD.

Möglicher Hintergrund

Ein möglicher aktueller Hintergrund für die Straftat gegen Beatrix von Storch könnte die Erstaufführung des neuen Theaterstücks FEAR von Falk Richter bilden. Es hatte gestern Premiere in der Berliner Schaubühne und stellt die AfD, namentlich auch Beatrix von Storch, an den Pranger. In einem Interview, das die dpa vertrieben hat, sagte Richter laut FOCUS: "Es gibt eine ganze Reihe von Protagonisten, die zurzeit Ängste schüren, um politisch an Einfluss zu gewinnen, gewonnene Offenheiten und Freiheiten infragestellen und zurück wollen zu alten Kategorien der Selektion, des Einteilens in ‚Richtig’ und ‚Falsch’. Diese Protagonisten kommen im Stück vor, unter anderem die katholische Fundamentalistin Gabriele Kuby. Aber auch die AfD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch."

Richters Stück eine "theatralische Wutorgie"

Deutschlandradio Kultur sagt zum neuesten Stück von Richter: "In ‚Fear’, seinem neuen Recherchestück an der Berliner Schaubühne, untersucht der Autor und Regisseur Falk Richter den Wahn der Rechtspopulisten. Nun hat seine neueste Arbeit Premiere, bei der er allerdings ungewohnte Wege einschlägt. Es ist ein Rechercheabend, der die Anziehungskraft von AfD und Pegida untersucht – der Titel: ‚Fear’."

Auch SWR2 beschäftigt sich mit Richters Stück. Der Sender stellt fest, Richters "theatralische Wutorgie" über Auftreten, Äußerungen und Überzeugungen der AFD-Vorsitzenden Frauke Petry oder ihrer Parteigenossin Beatrix Storch, der christlich-konservativen Publizistin Gabriele Kuby oder der nicht minder rückwärtsgewandten Birgit Kelle sei absolut nachvollziehbar. SWR2 schließt daran die Frage an: "Doch was soll sie bringen?"

Auch linke Gewalt muss tabu bleiben

Eine denkbare Antwort auf die Frage von SWR2 liegt nun auf der Hand. Richters Stück trägt zumindest potenziell dazu bei, dass ein solcher Brandanschlag verübt wird. Wer kann schon garantieren, dass eine "theatralische Wutorgie" auf der Schaubühne in Berlin folgenlos bleibt? Gewalt ist, das belegt die Realität immer wieder aufs Neue, nicht nur ein Kennzeichen von Rechtsextremisten, sondern auch der Extremisten aus dem linken politischen Spektrum. Es versteht sich von selbst, dass tunlichst alles unterlassen werden sollte, was Gewalt beschönigt oder gar gutheißt. Gewalt ist tabu, einerlei ob von rechts oder von links. Auch gegen AfD-Politiker darf kein Hass geschürt werden. Leider wird es dennoch getan, nicht zuletzt aus Verblendung. Davon sind weder Kunst- noch Medienschaffende frei, auch Politiker nicht. Nota bene: Artikel 1 des Grundgesetzes gilt für alle Menschen: Die Würde des Menschen ist unantastbar.


26.10.15 "Fear" von Falk Richter an der Schaubühne Berlin SWR
25.10.15 Falk Richter: Es wird wieder ungehemmt gehasst FOCUS
16.10.15 Rassistin im Schafspelz Frankfurter Rundschau

Leserbriefe

Schauspiel? Lieber lesen!

Anstatt solche dämlichen, in meinen Augen volksverhetzenden "Schauspiele" anzusehen, sollten sich viel mehr Leute mal die Zeit nehmen, "1984" von George Orwell und "Schöne neue Welt" von Aldous Huxley zu lesen. Ist das, was Falk Richter da macht, nicht schon "Anstiftung zu Straftaten"?